Umsatzsteuer Deutschland
Ausländische Unternehmen, die in Deutschland Waren verkaufen, haben unter bestimmten Voraussetzungen umsatzsteuerliche Pflichten. Dieser Überblick erklärt die wesentlichen Regelungen – insbesondere für E-Commerce und Amazon FBA.
Grundsatz: Bestimmungslandprinzip
Im europäischen Mehrwertsteuerrecht gilt für Fernverkäufe an Privatkunden das Bestimmungslandprinzip: Die Umsatzsteuer wird in dem Land erhoben, in dem der Käufer ansässig ist. Bei Verkäufen nach Deutschland fällt daher grundsätzlich deutsche Umsatzsteuer an.
Wann entsteht eine Registrierungspflicht in Deutschland?
| Situation | Registrierungspflicht | Verfahren |
|---|---|---|
| EU-Unternehmen, EU-Fernverkauf über 10.000 € | Grundsätzlich ja (oder OSS) | DE-Registrierung oder OSS |
| Nicht-EU-Unternehmen, Verkauf nach DE | Kann ab dem ersten Verkauf entstehen | DE-Registrierung erforderlich |
| Wareneinlagerung in Deutschland (z. B. Amazon FBA) | Sehr wahrscheinlich ja | DE-Registrierung erforderlich |
| Physische Betriebsstätte in Deutschland | Ja | DE-Registrierung + ggf. Körperschaftssteuer |
Das OSS-Verfahren
EU-Unternehmen können das OSS (One-Stop-Shop)-Verfahren nutzen. Damit können alle EU-Fernverkäufe zentral in einem Land gemeldet werden, ohne sich in jedem einzelnen EU-Staat registrieren zu müssen. Das OSS-Verfahren gilt jedoch nicht bei Einlagerung von Waren in einem anderen EU-Mitgliedstaat (z. B. Amazon FBA in Deutschland).
Amazon FBA und Umsatzsteuer
Bei Amazon FBA Deutschland lagern Waren in deutschen Amazon-Fulfillment-Centern. Das begründet grundsätzlich eine deutsche Umsatzsteuerpflicht – auch für ausländische Händler. Eine deutsche USt-Nummer ist in diesem Fall in der Regel erforderlich. Die konkreten Anforderungen sollten steuerlich geprüft werden.
Umsatzsteuersätze in Deutschland
| Steuersatz | Gilt für |
|---|---|
| 19 % (Regelsteuersatz) | Die meisten Waren und Dienstleistungen |
| 7 % (ermäßigt) | Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, bestimmte Medikamente, ÖPNV u. a. |
| 0 % (steuerbefreit) | Intra-EU-Lieferungen, Ausfuhren in Drittländer unter bestimmten Bedingungen |
Zuletzt aktualisiert: · DNGOnline.de Redaktion
Häufige Fragen: Umsatzsteuer Deutschland
Ab wann muss ich mich in Deutschland für die Umsatzsteuer registrieren?
Für EU-Unternehmen: Sobald der EU-weite Fernverkaufsumsatz 10.000 € überschreitet, gilt die Bestimmungslandbesteuerung. Möglich ist dann entweder die lokale Registrierung in jedem EU-Land oder die Nutzung des OSS-Verfahrens. Für Nicht-EU-Unternehmen: Die Pflicht zur Registrierung kann schon ab dem ersten Verkauf bestehen – insbesondere bei Lagerung in Deutschland (z. B. Amazon FBA).
Was ist das OSS-Verfahren?
Das OSS (One-Stop-Shop)-Verfahren erlaubt es EU-Unternehmern, die Umsatzsteuer für Fernverkäufe in alle EU-Mitgliedstaaten in einem einzigen Land (dem Land der Registrierung) zu erklären und abzuführen. Außerhalb der EU ansässige Unternehmen können das IOSS-Verfahren für Importsendungen bis 150 € nutzen.
Ich nutze Amazon FBA in Deutschland – brauche ich eine deutsche USt-Nummer?
Wenn Waren in einem deutschen Amazon-Lager gelagert werden, entsteht grundsätzlich eine deutsche Umsatzsteuerpflicht – auch für ausländische Unternehmen. In diesem Fall ist eine deutsche USt-ID-Nummer erforderlich. Die genauen Anforderungen sollten steuerlich geprüft werden.
Wie hoch ist die Umsatzsteuer in Deutschland?
Der Regelsteuersatz beträgt 19 %. Für bestimmte Waren (z. B. Lebensmittel, Bücher, bestimmte Medikamente) gilt der ermäßigte Steuersatz von 7 %. Welcher Satz für Ihre Produkte gilt, sollte im Einzelfall geprüft werden.
Kann ein ausländisches Unternehmen die deutsche USt-Registrierung selbst vornehmen?
Ja, grundsätzlich ist die Registrierung beim zuständigen Finanzamt (für ausländische Unternehmen meist das Finanzamt Cottbus oder das Bundeszentralamt für Steuern) möglich. In der Praxis empfehlen viele Unternehmen, einen deutschen Steuerberater oder Fiskalvertreter einzuschalten.
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